Er unterschied sich eigentlich nicht von den anderen Leuten. Genau wie sie steht er in der Schlange und wartet, bis er an der Reihe ist. Er lauscht der Stimme des Predigers, die leise aus der Ferne zu hören ist.

Dieser Johannes tauft und predigt mit Begeisterung und Leidenschaft. Seine Haut ist braun gebrannt, wilde Locken umrahmen sein junges Gesicht. Bis zur Hüfte steht er im kühlen Jordanwasser. Ihm ist es wichtig, jeden Menschen in dieses Wasser zu rufen. „Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden“ (Lukas 3,3).

Die Taufe war nichts Neues. Jeder Heide, der sich dem Volk Israel anschließen wollte, musste sie an sich vollziehen lassen. Aber die Taufe war ein Handlung für Unreine, für nicht auserwählte Menschen zweiter Klasse. Die Juden hingegen sahen sich als die Reinen, von Gott Erwählten. Und das war genau der springende Punkt. Johannes machte keinen Unterscheid zwischen Juden und Heiden; nach seiner Lehre brauchte jeder Mensch die Vergebung seiner Sünden.

Aber es gab da eine Ausnahme. Deshalb war Johannes verblüfft, als Jesus ihm im Jordan entgegenwatete.

Natürlich zögerte Johannes. Der Sohn Gottes war bei einer Taufveranstaltung fehl am Platz, zumindest als Täufling. Wenn schon, dann sollte er der Täufer sein. Warum wollte der Christus getauft werden? Warum musste er getauft werden?

Der Grund ist der folgende: Jesus hat den Preis bezahlt, den wir nicht hätten aufbringen können. Wir haben die Gesetzte übertreten, Versprechen nicht eingehalten, und – was das Schlimmste ist – wir haben unserem Schöpfer das Herz gebrochen.

Jesus hat sich unserer ausweglosen Lage angenommen. Gott erwartet von uns ein vollkommenes Leben mit absolutem Gehorsam jedem einzelnen Gebot gegenüber. Dabei geht es nicht nur um den Befehl, sich taufen zu lassen, sondern auch um die Aufforderung zur Demut, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit. Wir können das einfach nicht leisten. Es ist absolut hoffnungslos.

Aber Jesus kann es und er hat es getan. Er stieg nicht nur in den Jordan, sondern in den Strom unserer Sünden. Mit seiner Taufe sagte er: „Lass mich für dich bezahlen.“

Wenn Du Dich taufen lässt, ist es, als würdest Du ihm antworten: „Oh ja, bitte tu das.“

„Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser.

Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.

Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Matthäus 3, 16-17

Über den Autor

Dirk Farr ist Gründungspastor der JKB Treptow in Berlin und Leiter des Bereichs Gemeindegründung bei der Liebenzeller Mission. Darüber hinaus coacht er junge Leiter in interkulturellen und internationalen Aufgaben.

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