Weltgrößte Quietsche-Ente am Canada Day

In ein paar Wochen geht für uns als Familie unser Toronto-Jahr zu Ende. An diesem Wochenende war „Canada-Day“ – DER Nationalfeiertag. Und dieses Jahr wurde der 150. Geburtstag gefeiert. Ein großartiger Anlass, um uns wieder einmal mitten ins Innenstadt-Getümmel zu werfen und all das Bunte hier aufzusaugen (inkl. weltgrößter Quietscheente…).

Ein guter Zeitpunkt auch, um zurückzublicken auf dieses für uns außergewöhnliche Jahr. Für uns wurde es mehr als „nur ein Auslandsjahr“. Wir haben in dieser Zeit neue Freunde kennen gelernt (die wir vermissen werden). Unsere Kinder haben die Erfahrung gemacht, dass sie in der Lage sind an einem völlig fremden Ort neu zu starten und sich einleben können. Und wir haben eine kanadische Großstadtkultur kennen gelernt, die mit ihrer unglaublichen „Vielkulturalität“ wohl weltweit einzigartig ist. In den nächsten Posts will ich einige Punkte darüber reflektieren. Was habe ich dadurch an unserer deutschen Kultur schätzen gelernt und was möchte ich gerne von Kanadiern lernen (für mich persönlich und vielleicht auch für die Art, wie wir Gemeinden leiten).

Heute zuerst ein Kommunikationsding über Loben und Tadeln:
Für Fortschritt und Weiterentwicklung innerhalb eines Teams braucht es eine Balance zwischen Lob und Kritik:
Aufgefallen ist mir wie unglaublich gut Kanadier sind, wenn es ums Loben geht. Ob das die Art der Jacke ist, die ich gerade trage, den Einstieg einer Predigt oder die SMS, die ich gestern an jemanden verschickt habe. Kanadier teilen kräftig aus. Sie teilen kräftig Komplimente aus.
Und vielleicht denkst du jetzt schon „Ach die Amis, das ist doch alles nur oberflächliches Getue!“ Ehrlich: Das habe ich auch schon gedacht (und manchmal stimmt das auch^^). Doch ich habe noch etwas anderes entdeckt:  
Kanadier loben – aber sie kritisieren auch. 

Das „WAS“ ist also gleich. Der Unterschied liegt im „WIE“:
Einig sind wir uns im „WAS“. Dazu gehört auch:
Wo nur gelobt wird, da fühlen sich alle wohl – jedoch entwicklen sich die meisten nicht so weiter, wie es für sie möglich wäre. Wo nur kritisiert wird, weiß am Ende zwar jeder, wo er seine Wachstumsbereiche hat – fühlt sich jedoch so entmutigt, dass er gar keine Lust mehr hat, voranzugehen (Ausnahmen angenommen).
Es braucht also beides: Lob und Kritik!

Der Unterschied liegt im „WIE“:
Kanadier loben sehr konkret und kritisieren eher allgemein.
Ein simples Beispiel: „Das Blau deiner Hose steht dir großartig.“ und „Du magst diese Art von Hemden?“
Moment, denkst du jetzt vielleicht: Der zweite Satz war doch gar keine Kritik! Tja, so ging es mir auch. Für viele deutsche Ohren klingt das nicht nach Kritik. Ist es aber. Sehr dezent. So, dass sich keiner bloßgestellt fühlen muss (sondern es auch entspannt überhören kann), wird das Feld eröffnet, in dem Verbesserungsbedarf gesehen werden.
Ich muss ehrlich sagen, dass es für mich manchmal anstrengend ist, diese Kritik nicht zu überhören  (und du kannst für dich selbst entscheiden, wie es dir damit geht und welche Art zu kritisieren für dein Umfeld am besten passt).

Was ich mitnehmen möchte:
Das konkrete Loben hat unglaubliche Kraft! Je konkreter ich ein Lob ausspreche, umso stärker ermutigt es und setzt Kräfte frei. Und das schlägt den schwäbischen Grundsatz „net gmotzt isch gnug g’lobt“.
Von daher: Loben zieht nach oben. Probier es aus, leb es aus, verändere dein Team!

Regen? Macht uns doch nix!
Selfie-Parade vor der Quietscheente

 

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