Vorgestern bin ich mit Freunden am ehemaligen Mauerverlauf gewesen um die „Lichtgrenze“ zu bewundern: Die Hälfte „Ossis“, die Hälfte „Wessis“ – ok, wir waren alle noch lange nicht erwachsen, als das alles passiert ist.
Aber es bewegt mich trotzdem immer wieder:

Wer nie so eingesperrt gelebt hat, wie die Freundin, die direkt an der Ostseite der Berliner Mauer aufwuchs, die als Kind von Bekannten versteckt wurde, weil ihre Mutter „mitgenommen“ wurde,
wer nie den Abschied am Tränenpalast erlebt hat und die Sehnsucht nach der „Treppe auf der anderen Seite“ gefühlt hat,
der kann auch nie ganz nachempfinden, was es bedeutet hat, nach dem Mauerfall auf „die andere Seite“ zu gehen und zu denken „wow, ich kann auf einmal in Farbe sehen“ (so hat die Freundin es beschrieben),
der kann vielleicht auch nur schwer nachvollziehen, wie kostbar Freiheit ist. Wer einmal unfrei gelebt hat, weiß die Freiheit erst richtig zu schätzen. 

Mir fällt ein Satz von Paulus ein: „Ihr seid zur Freiheit berufen. Doch gebraucht eure Freiheit (…) um in Liebe einander zu dienen.“ (Galater 5,13; die Bibel) 

Für mich war es bewegend an dieser immaginären Mauer aus Leuchtballons zu stehen und von jemandem, der kein Christ ist zu hören: „Ich glaube an Wunder. Ich habe den Fall der Mauer erlebt, ich muss an Wunder glauben.“

Ich glaube weiter an Wunder und glaube an Freiheit und bin gespannt, was wir tun können, um diesen beiden Dingen mehr Platz zu verschaffen. In unseren Gemeinden. In unserer Stadt.

Über den Autor

Dirk Farr ist Gründungspastor der JKB Treptow in Berlin und Leiter des Bereichs Gemeindegründung bei der Liebenzeller Mission. Darüber hinaus coacht er junge Leiter in interkulturellen und internationalen Aufgaben.

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