Die Züge von Jesus wurden weicher und das Licht des Nachmittags kehrte zurück, als Jesus ein letztes Mal sprach: „Es ist vollbracht! Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“ (Johannes 19,30)

Als er seinen letzten Atemzug aushauchte, wird uns berichtet, dass plötzlich die Erde bebte. Ein Felsbrocken kam ins Rollen, ein Soldat geriet ins Stolpern. Dann war alles genauso plötzlich wieder leise.

Und nun ist alles still. Niemand verspottet ihn mehr. Es gibt keinen mehr, den man verspotten könnte.
Die Soldaten räumen auf. Zwei gut gekleidete Männer nehmen den Leichnam von Jesus mit.

Zurück bleiben drei Nägel. Sie landen im Müll. Drei Kreuze. Eine geflochtene Krone, deren Dornen rot sind.
Rot vom getrockneten Blut – es ist nicht das Blut eines Menschen sondern Gottes Blut. Ist das nicht verrückt?

Diese Nägel, sie haben meine und Deine Sünden ans Kreuz geheftet. Absurd!
Es ist schon ziemlich unbegreiflich; unerklärlich, dass das Gebet des einen Verbrechers erhört wurde – in letzter Sekunde.
Noch unbegreiflicher, dass der andere Verbrecher starb, ohne überhaupt daran zu denken, dass auch er hätte beten können.

Absurd und ironisch – Golgatha ist ein unbeschreiblicher Ort.

In den letzten Tagen kamen wir immer wieder auf das Thema. Und ich muss sagen, dass ich dieses Drama ganz anders geschrieben. Wenn man mich gefragt hätte, wie ein Gott die Welt von allem Bösen erlöst, dann hätte ich mit tapferen Streitern, schützendem Eingreifen, Bösewichten, die reihenweise zu Boden fallen, und einem Gott als strahlender Superheld aufgewartet.

Aber Gott am Kreuz? Mit aufgeplatzten Lippen, rot unterlaufenen Augen, blutüberströmt? Ein Schwamm wird ihm ins Gesicht gedrückt? Ein Speer schlitzt ihm die Seite auf? Zu seinen Füßen wird gewürfelt?

Nein, wir hätten die Geschichte der Erlösung ganz anders geschrieben. Doch niemand hat uns gefragt. Die Darsteller und die Szenen wurden im Himmel geplant und von Gott abgesegnet. Ohne uns.

Von uns wird nur erwartet, darauf zu antworten.

„Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.“
Hebräer 12,2

Über den Autor

Dirk Farr ist Gründungspastor der JKB Treptow in Berlin und Leiter des Bereichs Gemeindegründung bei der Liebenzeller Mission. Darüber hinaus coacht er junge Leiter in interkulturellen und internationalen Aufgaben.

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